Veranstaltung zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen
Aarau, 26. November 2010 – Die Veranstaltung „bei uns nicht bei den anderen“ der Frauen Aargau hat gestern in Aarau stattgefunden. Doris Stump, National- und Europarätin, Jael Bueno, Leiterin des Frauenhauses AG/SO, sowie Marianne Koch Wiedmaier, Leiterin der Fachstelle Opferhilfe und Sozialdelikte der Kantonspolizei Aargau, diskutierten mit Bea Stalder, Moderation, über häusliche Gewalt. Die Teilnehmerinnen erhielten Einblicke in die Probleme der Betroffenen, erfuhren wie ein Polizeieinsatz vor sich geht und was auf politischer Ebene noch zu tun ist. Gewalt gegen Frauen sei wie eine Pandemie, sagt Nationalrätin Doris Stump in ihrer Eröffnung zur Veranstaltung „bei uns nicht bei den anderen“. Es gelte diese Infektionskrankheit mit greifenden Medikamenten zu behandeln. Als Einstieg ins Thema zeigt der Film „sich zum Sterben hinlegen“ von Esen Isik auf, wie es heute Migrantinnen ergehen kann, die mit dem Problem der häuslichen Gewalt konfrontiert sind: Missbrauch, Hilflosigkeit, Angst vor Ausschaffung bis hin zum Suizidversuch. Auf den Film folgt eine Podiumsdiskussion, in der die drei Fachfrauen über das Thema der Gewalt an Frauen in ihren Fachbereichen sprechen.
Theorie und Wirklichkeit – Gesetz allein hilft nicht Dank dem Opferhilfe- sowie dem neuen Polizeigesetz hat sich die Situation der Betroffenen in den letzten Jahren massiv verbessert. Trotzdem sehe die Realität noch immer nicht rosig aus, sagt Jael Bueno vom Frauenhaus. Das Gesetz allein verhelfe den Betroffenen nicht, den Mut aufzubringen, sich gegen die Situation zu wehren. Migrantinnen, die 60% der Klientinnen des Frauenhauses ausmachen, kämpfen zusätzlich mit sprachlichen und kulturellen Hürden. Marianne Koch Wiedmair schildert den Ablauf eines Polizeieinsatzes. „Unsere Aufgabe beschränkt sich darauf zu ermitteln ob eine strafbare Handlung vorliegt“, führt sie aus. Ist dies der Fall, folgt eine Berichterstattung an die zuständigen Folgeinstitutionen. Die Zahl der seit Anfang Jahr eingegangenen Notrufe schockiert die Hörerinnen: 1080, davon einige, die mehrmals Hilfe anforderten. National- und Europarätin Doris Stump bemängelt, dass die Mühlen der Politik zu langsam mahlen, das Problem der häuslichen Gewalt zu wenig erforscht sei und greifende Massnahmen fehlen. Es brauche viel Öffentlichkeitsarbeit um auf das Thema aufmerksam zu machen. Sie appelliert an Schule und Elternhaus, das Selbstbewusstsein von Mädchen zu fördern. Die zahlreich erschienen Frauen im Saal gingen mit den drei Podiumsteilnehmerinnen einig: Es braucht mehr finanzielle Mittel für die Betroffenen und eine gross angelegte Präventionskampagne, damit sich die Gewalt nicht auch in der nächsten Generation wiederholt.
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